Vom Stigma zum Hoffnungsträger: Warum 2026 das Jahr des Lithiumorotats ist

Vom Stigma zum Hoffnungsträger: Warum 2026 das Jahr des Lithiumorotats ist

Die im August 2025 veröffentlichte Alzheimer-Studie1 im Fachjournal Nature der Harvard Medical School hat für großes Aufsehen gesorgt. Forscher entdeckten, dass Lithium ein essenzielles Element für die normale Gehirnfunktion ist und dass ein Lithiummangel im Gehirn einer der frühesten Marker für Alzheimer sein könnte.

Die wichtigsten Erkenntnisse der Studie im Überblick

Die Forscher konnten erstmals nachweisen, dass Lithium ein natürlicher und essenzieller Bestandteil des menschlichen Gehirns ist. Die wichtigsten Erkenntnisse waren:

  • Lithium-Falle: Amyloid-Plaques (typisch für Alzheimer) verhalten sich wie ein Schwamm. Sie saugen das im Gehirn vorhandene Lithium auf und „sperren“ es ein. Dadurch fehlt den umliegenden Nervenzellen das Lithium, was zu deren Absterben führt.
  • Vorteil von Lithiumorotat: Die Studie testete verschiedene Lithiumformen. Während herkömmliches Lithiumcarbonat oft an den Plaques hängen blieb, erwies sich Lithiumorotat als besonders effektiv. Es konnte die Plaques „umgehen“, drang tiefer in das Nervengewebe ein und normalisierte die Zellfunktion bereits in sehr geringen Mengen (Micro-Dosing), ohne die typischen Nebenwirkungen hoher Lithiumdosen zu zeigen.
  • Umkehrbarkeit: Im Mausmodell konnten durch die Gabe von Lithiumorotat bereits bestehende Gedächtnisverluste teilweise rückgängig gemacht werden.

Diese Ergebnisse haben die Diskussion um Lithium von einem reinen Psychopharmakon hin zu einem potenziell essenziellen „Gehirn-Nährstoff“ verschoben.

Start klinischer Humanstudien (Frühjahr 2026)

Infolge der Harvard-Ergebnisse wurde im April 2026 die LiO-AD-Studie2 gestartet. Dies ist eine der ersten großen klinischen Studien am Menschen, die speziell die Sicherheit und Wirksamkeit von Lithiumorotat bei Patienten mit früher Alzheimer-Erkrankung untersucht. Die Forscher prüfen hierbei die Dosierungen von 240 mg bis 720 mg Lithiumorotat pro Tag (was einer sehr geringen Menge an elementarem Lithium entspricht).

Eckdaten der Studie (Stand April 2026)

  • Teilnehmer: Ca. 40 bis 80 Personen mit biologisch bestätigter Alzheimer-Frühphase.
  • Dosierungsschema: Die Teilnehmer erhalten Lithiumorotat in einer ansteigenden Dosierung:
    • Woche 1: 240 mg/Tag
    • Woche 2: 480 mg/Tag
    • Woche 3 bis 9: 720 mg/Tag (sofern vertragen)

Ziel der Studie: Es wird gemessen, wie viel Lithium tatsächlich im Nervenwasser (Liquor) ankommt und ob sich die Alzheimer-Biomarker (wie Tau-Protein und Amyloid-Werte) unter der Gabe von Orotat verändern.

Warum ist diese Studie besonders?

Frühere Studien (wie die LATTICE-Studie) nutzten oft Lithiumcarbonat. Die LiO-AD-Studie ist die erste große klinische Untersuchung, die gezielt Lithiumorotat einsetzt, da die Forschung von 2025 nahelegt, dass nur diese Form die „Amyloid-Falle“ im Gehirn effektiv umgehen kann.

Politischer Vorstoß im EU-Parlament (Juli 2025)

Auf regulatorischer Ebene gibt es Bewegung: Im Juli 2025 wurde im Europäischen Parlament ein Entschließungsantrag3 eingereicht, um Lithium offiziell als Mikronährstoff anzuerkennen. Ziel dieses Antrages ist es die Zulassung von niedrig dosiertem Lithiumorotat als offizielles Nahrungsergänzungsmittel in der EU zu ermöglichen.

Status Quo: Bisher ist Lithiumorotat in Deutschland rechtlich in einer Grauzone (oft als „Chemikalie“ deklariert), während es in den USA frei verkäuflich ist. Eine positive Bewertung durch die EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) steht noch aus.

Der Entschließungsantrag (B10-0349/2025)

Am 8. Juli 2025 wurde ein offizieller Entschließungsantrag zur Anerkennung von Lithium als Mikronährstoff eingereicht. Die treibenden Kräfte hinter diesem Vorstoß waren die Abgeordneten Gerald Hauser, Christine Anderson und Barbara Bonte. Der Antrag stützt sich explizit auf die Erkenntnisse von Dr. Michael Nehls (Autor von „Das Lithium-Komplott“), der am 18. Juni 2025 einen Vortrag im Europäischen Parlament hielt, sowie auf die bahnbrechende Harvard-Studie in Nature.

Kernpunkte des Antrags

  • Mit dem Entschließungsantrag wird die EU-Kommission aufgefordert, die EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) mit einer offiziellen Neubewertung von Lithium zu beauftragen.
  • Zulassung von Orotat: Der Antrag schlägt konkret vor, niedrig dosierte Lithiumsalze wie Lithiumorotat als Nahrungsergänzungsmittel zuzulassen.
  • Übergangsregelung: Die Mitgliedstaaten werden gedrängt, bis zur endgültigen Entscheidung einen regulierten Zugang zu ermöglichen, um „Versorgungslücken“ in der Bevölkerung zu schließen.

Aktueller Status der Regulierung (Stand April 2026)

Trotz des politischen Drucks bleibt die rechtliche Lage komplex, denn noch im Oktober 2025 gab es offizielle Meldungen im europäischen Schnellwarnsystem (RASFF), bei denen Lithiumorotat-Produkte (z. B. aus Estland) als „nicht zugelassene neuartige Zutat“ (Unauthorized Ingredient) beanstandet wurden.

Des Weiteren prüft die EU-Kommission derzeit die parlamentarische Anfrage (E-003565/2025). Ein zentrales Argument der Kommission ist bisher, dass für eine Einstufung als „essenziell“ klare klinische Beweise für Mangelsymptome beim Menschen vorliegen müssen, die über Beobachtungsstudien hinausgehen.

  1. Lithium deficiency and the onset of Alzheimer’s disease ↩︎
  2. LiO-AD: Lithium Orotate in Alzheimers Disease Feasibility, Biomarker Engagement, and Clinical Response (LiO-AD) ↩︎
  3. Entschließungsantrag zur Anerkennung von Lithium als Mikronährstoff ↩︎

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